|
Die Wirbelsäule und die Atmung
Das Zwerchfell (unser Haupt-Atemmuskel) ist u.a. an der Vorderseite der oberen Lendenwirbel
angewachsen. Beim Einatmen (der Bauch wölbt sich) zieht das Zwerchfell die Lendenwirbelsäule nach vorne ins "Hohlkreuz", so dass sich die normale Krümmung der Lendenwirbelsäule, die sog. Lendenwirbelsäulenlordose, verstärkt.
Da alle Wirbel gelenkig miteinander verbunden sind, bewegt sich bei der Zwerchfellatmung auch die
restliche Wirbelsäule und das Becken mit. Beim Einatmen wird hierbei der Kopf leicht nach hinten gezogen (Verstärkung der Halswirbelsäulenlordose) und das Becken kippt nach vorne-unten. Dabei wird die gesamte Wirbelsäule auch etwas "kürzer".
Beim Ausatmen (Entspannung des Zwerchfells) flachen sich die Krümmungen von Lenden- und
Halswirbelsäule wieder ab, und das Becken wandert zurück nach hinten-oben. Dabei wird die gesamte Wirbelsäule wieder etwas "länger", sie streckt sich.
Man kann also sagen, dass bei der Zwerchfell-Tiefenatmung die gesamte Wirbelsäule "mitatmet".
|
|
Ausatemstellung der Wirbelsäule und des Beckens
|
|
Einatemstellung der Wirbelsäule und des
Beckens |
|
Zugrichtung des
Zwerchfells an der LWS nach vorne beim Einatmen |
|
Dieses "Mitatmen" der Wirbelsäule ist in mehrfacher Hinsicht von großer Bedeutung:
Durch die atmungsbedingten Bewegungen der Wirbelsäule kommt es im Bereich der gelenkigen
Verbindungen zwischen den einzelnen Wirbeln zu einer Stoffwechselanregung; die Gelenkknorpel werden besser ernährt, Versteifungstendenzen wird entgegengewirkt und die Beweglichkeit der gesamten Wirbelsäule wird gefördert.
Allein schon durch tiefe Bauchatmung oder stärker noch durch die Zilgrei-Standard-Atmung erfahren viele
Menschen bereits eine Linderung ihrer Wirbelsäulenprobleme!
Durch die Verstärkung der Lordosen beim Einatmen werden die Gelenkflächen zwischen den Wirbeln
stärker aufeinandergepresst, was die Beweglichkeit der gesamten Wirbelsäule deutlich einschränkt. Für Ihren Alltag bedeutet das, dass Sie stets ausatmen sollten, wenn Sie eine größere Beweglichkeit der Wirbelsäule benötigen, z. B. wenn Sie sich im Auto beim Einparken nach hinten drehen müssen. Die Beachtung dieser Zusammenhänge kann Ihnen dabei helfen, schmerzhafte Wirbelverschiebungen und Blockaden zu vermeiden! |
|
Drehung mit der Ausatmung
- größere Beweglichkeit |
|
Drehung mit der Einatmung -
kleinere Beweglichkeit |
|
Wann immer Sie den Kopf oder auch den kompletten Rumpf nach vorne oder hinten bewegen, sollten
Sie an die dazu "passende" Atmung denken:
nach vorne - ausatmen (Abflachung der Wirbelsäulenkrümmungen)
nach hinten - einatmen (Verstärkung der Wirbelsäulenkrümmungen)
|
|
Zum Schluss noch ein weiterer sehr wichtiger Hinweis für Ihren Alltag:
Ausatmung und Anstrengung gehören zusammen!
Wann immer Sie bei einer Arbeit Muskelkraft benötigen, sollten Sie dies immer mit der Ausatmung tun, z.
B. auch dann, wenn Sie den Deckel eines Vakuumglases aufschrauben möchten. Dafür gibt es zwei gute Gründe:
Die Muskulatur arbeitet nur während der Ausatmung mit optimaler Kraft (alle Sportler wissen das!).
Die Gefahr von Wirbelsäulenschädigungen, insbesondere bei verdrehten Haltungen, wird verringert, da
sich, wie oben geschildert, die Wirbelgelenkflächen beim Ausatmen nicht so sehr aufeinanderpressen.
Eine Ausnahme stellt allerdings das Heben von (schweren) Gegenständen dar, wenn dies nicht mit
geradem Rücken, wie es eigentlich sein sollte, möglich ist, z. B. das Herausholen eines Getränkekastens aus dem Autokofferraum. Bei dieser Wirbelsäulenbewegung nach hinten sollte man sich den Zug des Zwerchfells bei der Einatmung zu Nutze machen, welcher bei der Aufrichtung behilflich ist. Dabei wird die Lendenwirbelsäule auch stabilisiert (so machen es die Gewichtheber). |
|
Der Oberkörper
bewegt sich nach hinten |
|
Nach vorne stets mit der
Ausatmung! |
|
Diese Seite wurde zuletzt geändert am 21.07.08
|