5 Monolateralismus - funktionelle Beinverkürzung - Beckenschiefstand:

Es ist Dr. Greissings großer Verdienst, die Auswirkung der Rechts- bzw. Linkshändigkeit beim
Menschen auf die gesamte Körperstatik wohl erstmals in der Medizingeschichte in vollem Ausmaße
erkannt zu haben. Er hat sich insbesondere sehr intensiv mit den Themen Beckenschiefstand und
funktionelle Beinverkürzung - im ZILGREI-System "das scheinbar kürzere Bein" genannt - beschäftigt.

Die übliche Vorgehensweise von Orthopäden bei der Feststellung eines Beckenschiefstandes ist leider
die, dass dem Patienten in aller Regel eine Sohlen-, oder noch schlimmer, eine Absatzerhöhung auf der
Seite des "kürzeren Beines" verordnet wird. Die Regel ist leider auch, dass viele Patienten danach
verstärkt Probleme bekommen. Warum ist das so? Unverständlicherweise ignorieren sehr viele
Fachärzte für Orthopädie, obwohl sie es während ihrer Ausbildung gelernt haben müßten, die jederzeit
mit einfachsten Mitteln nachprüfbare Tatsache, dass es sich bei einem Beinlängenunterschied in über
95% aller Fälle um eine funktionelle Beinverkürzung handelt, die ihre Ursache in einer Verwringung der
beiden Darmbeine gegeneinander in der Sagittalebene hat. Dies wiederum kommt meistens durch
einen einseitigen Hypertonus oder eine einseitige Verkürzung derjenigen Muskeln zustande, die dorsal
an der Crista iliaca ansetzt (hauptsächlich M. quadratus lumborum, aber auch M. longissimus thoracis
und M. longissimus lumborum) und damit das eine Darmbein hinten "hochzieht" (die Spina iliaca
posterior superior als Bezugspunkt wandert nach anterior-superior). Siehe 1. Bild weiter unten.

Folge ist, dass sich auf dieser Seite die Hüftgelenkspfanne - die zumeist vor der ISG-Drehachse liegt -
und damit auch das ganze Bein nach caudal bewegen - dieses Bein erscheint nun länger, das andere
Bein vergleichsweise kürzer, das Becken mit dem sich mittig darin befindlichen Kreuzbein als Basis der
Wirbelsäule steht dann insgesamt schief. Hält dieser Zustand länger an, kommt es zu einer
kompensatorischen Skoliose der Wirbelsäule, die ihrerseits eine Unzahl von Beschwerden und
Krankheitsbildern nach sich ziehen kann. Durch Erhöhungen unter dem scheinbar kürzeren Bein wird die
Beckenfehlstatik nur noch weiter fixiert und die muskuläre Balance vollends gestört, was sich über das
System der Muskel- und Faszienketten bis in weit von der Ursprungsläsion entfernt liegende Bereiche
auswirken kann.

Nur bei einer echten, also anatomischen Beinverkürzung darf - und muss auch - mit Sohlenerhöhungen
gearbeitet werden. Zur Unterscheidung der beiden verschiedenen Arten von Beinverkürzung (es gibt
natürlich auch Kombinationen) benötigt man lediglich ein Maßband, mit dem man bestimmte
Referenzstrecken an Bein und Rumpf ausmisst. Im Zweifelsfall schafft eine Röntgenaufnahme des
Beckens Klarheit, z. B. wenn man eine Hüftdysplasie vermutet.

Die Ursache für die ungleiche Entwicklung der zuvor genannten Muskeln ist zu finden in der Rechts- bzw.
Linkshändigkeit des Menschen. Dr. Greissing nennt dies Monolateralismus. Da die meisten Menschen
Rechtshänder sind, ist bei ihnen die linke o.g. Muskelgruppe fast immer stärker entwickelt, verspannt
oder verkürzt. Ausnahmen von dieser Regel findet man aber häufig bei Rechtshändern, die eine
überwiegend sitzende Tätigkeit ausüben. Wenn ein Rechtshänder etwas Schweres trägt oder vom
Boden aufhebt, oder sich beispielsweise auch nur mit der rechten Hand die Zähne putzt, spannt er
zwangsläufig die zur aufrechten Haltung nötigen Muskeln seiner linken Seite mehr an, als die der
rechten. Deswegen ist aus den vorgenannten Gründen meistens das linke Bein das scheinbar längere,
das rechte Bein das scheinbar kürzere. Jeder, der seine Mitmenschen beim Gehen aufmerksam
beobachtet, wird feststellen, dass mindestens jeder Dritte beim Belasten des rechten Beines etwas
nach rechts "einknickt" bzw. wie in ein imaginäres Loch tritt - Folge des scheinbar kürzeren rechten
Beines, verursacht durch die Rechtshändigkeit.

Nur die Selbstbehandlungsmethode ZILGREI "kümmert" sich adäquat um diese Problematik. Andere
Maßnahmen, auch Chirotherapie, helfen auf Dauer nicht, zieht doch die unter größerer Spannung
stehende Muskulatur der einen Seite das Darmbein recht schnell wieder in die Fehlstellung zurück.
ZILGREI zielt in erster Linie auf die Beseitigung ungleicher Spannungsverhältnisse der paarig
angelegten Muskeln ab, wobei es nicht um Kräftigung oder Aufbau wie bei speziellen
krankengymnastischen Übungen geht, sondern um gezielte Entspannung bestimmter Muskeln. Im Falle
einer funktionellen Beinverkürzung müssen also diejenigen Muskeln entspannt werden, die für die
Verwringung der beiden Darmbeine gegeneinander verantwortlich sind. Welche das genau sind, ist für
den ZILGREI-Ausübenden völlig unerheblich, da er ja nur eine Selbstuntersuchung auf evtl. vorhandenen
Schmerz, andere Missempfindungen und/oder eine Bewegungseinschränkung vornimmt und danach die
passende Selbstbehandlung für sich aussucht. Die Korrektur der Darmbeinverwringung geht so auf
einfache Art und Weise in Minutenschnelle vor sich, ohne dass der ZILGREI-Ausübende überhaupt
wissen muss, welches Bein denn nun scheinbar kürzer bzw. länger ist! Als Therapeut kann man sich
aber von dem oft sofort sichtbaren Ergebnis der erfolgreich durchgeführten Selbstbehandlung
überzeugen.

Die ZILGREI-Selbstbehandlungen Kranich, Ortolan oder Perlhuhn für die Bewegung im Iliosakralgelenk
(ISG) in der Sagittalebene (Flexion/Extension), die Selbstbehandlungen Strandläufer und Eistaucher für
die Bewegung im Hüft- und Iliosakralgelenk in der Horizontalebene (Endo-/Exorotation) und die
Selbstbehandlung Seidenschwanz für die Frontalebene normalisieren in aller Regel Fehlstellungen und
muskuläre Dysbalancen sehr schnell und sofort nachprüfbar. Da es durchaus vorkommen kann, dass die
Situation am nächsten Tag genau umgekehrt ist, also das zuvor scheinbar kürzere Bein nun das längere
ist, kann sich der ZILGREI-Ausübende durch das Prinzip der Selbstuntersuchung und -behandlung
umgehend auf die veränderte Statik einstellen und entsprechend gegensteuern. Dazu benötigt er nach
vorhergehendem gründlichen Unterricht keinen Therapeuten! Selbstverständlich müssen die passenden
Selbstbehandlungen zur Korrektur einer funktionellen Beinverkürzung regelmäßig und immer wieder
vorgenommen werden, da ja die eigentliche Ursache, der Monolateralismus, täglich aufs Neue gegeben
ist und nicht beseitigt werden kann.

Die Thematik "Beckenfehlstatik" ist natürlich auch für die Entstehung und Behandlung von Cox-, Gon-
und Sprunggelenksarthrosen überaus bedeutsam (s. 2. Bild unten). Bei fortgeschrittenen degenerativen
Prozessen wird die Anwendung von ZILGREI allein natürlich nicht ausreichen, die Methode kann aber
jede andere Therapie wirkungsvoll unterstützen und insbesondere im präventiven Bereich eine
unschätzbare Hilfe darstellen. Dies gilt für alle Beschwerden des Bewegungsapparates, die mit einer
gestörten Trophik, muskulären Dysbalancen und einer daraus resultierenden Fehlstatik einhergehen.



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Typische Becken- und Wirbelsäulen-Fehlstatik bei Rechtshändern
Typische Fehlstatik bei Rechtshändern
scheinbar längeres
linkes Bein
scheinbar kürzeres
rechtes Bein
Diese Seite wurde zuletzt geändert am 21.07.08
Muskulatur und linkes Darmbein beim Rechtshänder
Größere Spannung
dieser Muskelgruppe als
vergleichsweise rechts
Das hintere obere Ende des linken
Darmbeins bewegt sich nach oben
Drehbewegung des
linken Darmbeins
Linkes Bein wird
scheinbar länger
ISG-
Drehachse
Die typische muskuläre Situation
beim Rechtshänder mit ihrer
Auswirkung auf das linke Darmbein